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Rudolf-Dreikurs-Kinderhaus

Hochvogelweg 4 
87463 Probstried 
Telefon: 08374/58280 
Fax: 08374/582825


Johannes.Loepmann@allgaeu.org


Das Rudolf-Dreikurs-Kinderhaus ...


Zitat Rudolf Dreikurs: "Wie Pflanzen Wasser zum Gedeihen benötigen, so brauchen Kinder Ermutigung"

Wer ist Rudolf Dreikurs?


Rudolf Dreikurs (1897-1972) war ein österreichisch-amerikanischer Psychiater, Pädagoge, Psychologe und Vertreter der Individualpsychologie. Dreikurs studierte in Wien Medizin und lernte damals Alfred Adler kennen. Dreikurs war beeindruckt, wie Adler die Erfahrungen aus Psychiatrie und Psychotherapie für die Erziehung nutzbar machte und wie er die soziale Frage in seiner Lehre einbezog. So widmete sich Dreikurs nach dem Studium individualpsychologischen Projekten, hielt Referate, führte Kurse durch und schrieb Bücher. Als Professor für Psychiatrie in Chicago, USA, setzte er die Lehre Adlers fort und fand mit der Verbindung von Neurosenprophylaxe und Lehrerausbildung Zugang zu Ärzten, Psychiatern, Lehrern etc. Er gründete immer mehr Kinder- und Elternberatungsstellen. Er wurde durch seine zahlreichen allgemeinverständlichen Bücher weit über die USA hinaus bekannt.

Wer ist Alfred Adler?


Der österreichische Arzt Alfred Adler (1870-1937) zählt neben Sigmund Freud und Carl Gustav Jung zu den bedeutendsten Vertretern der Tiefenpsychologie. Adler arbeitete anfangs mit Sigmund Freud zusammen, doch entwickelte später die Individualpsychologie als seine eigenständige Lehre neben der Freudschen Psychoanalyse.

Adler nannte seine Lehre Individualpsychologie, weil damit das Verständnis der Einmaligkeit und Einzigartigkeit des Individuums betont wurde, ohne den sozialen Faktor zu unterschätzen.



Aktualität:


Manchmal ist zu hören, dass Adler ja im "letzten Jahrhundert" lebte und Dreikurs seine Hochphase in den 50/60ern hatte, demnach ist das Gedankengut ja "out" und überholt. Tatsache ist, viele neue "moderne" psychologische Richtungen basieren auf vielen Grundgedanken Adlers, der zu den Urvätern der modernen Psychologie genauso wie Freud und Jung gehört. Adler und später seine Anhänger und Schüler, darunter Rudolf Dreikurs; befassten sich speziell mit dem Thema Kindererziehung. Ihnen lag die psychische Prophylaxe am Herzen, um seelische Fehlentwicklungen frühstmöglich zu verhindern. So gehörte Adler z.B. zu den Ersten, der Erziehungsberatungsstellen gründete, Elternschulungen und Lehrerschulungen anbot und somit speziell in der Heimarbeit und in der Schulpädagogik bis heute ungeheure Spuren hinterlassen hat.

Seine Erkenntnisse sind heute von ungeheurer Aktualität und viele seiner Schüler und Anhänger der Individualpsychologie setzten seine Gedanken fort und entwickelten die Theorien weiter. Es ist leicht, die Prinzipien, die sich Adler und später vor allem auch Dreikurs in der Kindererziehung zu Eigen machten, auf zeitgemäße Erziehungssituationen zu übertragen. So hat Rudolf Dreikurs mit seinen Büchern Maßstäbe gesetzt und mit dem Bestseller "Kinder fordern uns heraus" Generationen von Eltern den Weg zu einer "partnerschaftlichen Erziehung" gewiesen. Der Erfolg dieses Standardwerks unter den Erziehungsratgebern ist nach wie vor ungebrochen. Denn Rudolf Dreikurs bietet praktikable Modelle für den erzieherischen Umgang mit Kindern.



Was heißt partnerschaftliche Erziehung nach Rudolf Dreikurs?


Die Kernbegriffe hierfür lauten: Ermutigung, gegenseitiger Respekt und geteilte Verantwortung.

Dazu ist wichtig zu wissen, dass hierbei die Erfüllung spezieller sozialer Grundbedürfnisse in der Kindheit notwendig und unabdingbar zur Identitätsfindung und zur Gemeinschaftsfähigkeit sind

Jedes Kind aber auch der Erwachsene benötigt das Gefühl und die Erfahrung:

a. selbstsicher zu sein und b. sich als wertvollen Teil der Gemeinschaft zu empfinden

Die 4 sozialen Grundbedürfnisse:
  1. dazugehören, sich geliebt fühlen (Ich bin liebenswert und ein Teil der Gemeinschaft)
  2. fähig und wirkmächtig sein, Einfluss nehmen können, Bedeutung haben, für andere wichtig sein (Ich kann was und kann dazulernen. Auf meinen Beitrag kommt es an)
  3. respektiert und fair behandelt werden; (Ich verdiene Respekt und faire Behandlung)
  4. sich sicher fühlen, Mut zum Wagnis haben (Statt Angst vor Misserfolgen, bin ich mutig. Mit dem, was kommt, werde ich fertig. Ich kann mir Hilfe holen)
Partnerschaftliche Erziehung soll zugleich eine Haltung und Achtung gegenüber den Heranwachsenden ausdrücken. Partnerschaftliche Erziehung bedeutet nicht Gleichrangigkeit von Eltern (oder alternativ Erziehungsberechtigen u. Lehrern) und Kindern, sondern deren Gleichwertigkeit. Eltern und Kinder können nicht gleichrangig sein, denn Eltern tragen die Erziehungsverantwortung. Und Eltern sind in der Regel mindestens eine Generation älter, haben Erfahrungen gemacht, von denen Kinder lernen können. Partnerschaftliche Erziehung darf also nicht mit "Kinder an die Macht" verwechselt werden. So haben Eltern eine immense Verantwortung. Kinder sind Kinder, die im Laufe ihrer Entwicklung körperliche, gefühlsmäßige, soziale, moralische und intellektuelle Aufgaben zu erfüllen haben und die darauf vertrauen müssen, dass sie von ihren Eltern in ihrer Entwicklung begleitet werden. Eine Herausforderung, denn unser zunehmendes Demokratieverständnis hat viele traditionelle Erziehungsmethoden unwirksam gemacht. Denn in einer Gesellschaft Gleichwertiger kann keiner über den anderen bestimmen.

Soziale Gleichwertigkeit oder -berechtigung bedeutet, dass jeder für sich selbst entscheidet. So besteht auch die Gefahr, dass Eltern, Lehrer und Erziehungsberechtigte die Macht über ihre Kinder verlieren. Aber Gleichwertigkeit soll nicht Gleichheit bedeuten. Gleichwertigkeit heißt, dass alle ohne Rücksicht auf ihre persönlichen Unterschiede und Fähigkeiten denselben Anspruch auf Achtung und menschliche Würde haben. Viele Bücher erscheinen auf dem Markt, in denen es heißt, dass unsere Kinder zu Tyrannen werden. Diese Gefahr besteht, wenn Demokratie und Gleichwertigkeit verwechselt wird mit Freiheit. Die Freiheit, das zu tun, was man will. Doch Freiheit für alle erfordert Ordnung. Ordnung bringt gewisse Einschränkungen und Verpflichtungen mit sich. Und Verantwortung!

So besteht in unserem Gesellschaftssystem die große Herausforderung, Erziehungsprinzipien zu lehren, die weniger direkten Einfluss auf Kinder u Jugendlichen nehmen und ihnen mehr Autonomie zubilligen, auch um ihre Individualität zu fördern, und sie gleichzeitig Konsequenzen ihres Handelns selbst spüren zu lassen. Erziehung weder durch autoritäre Strenge noch durch erzieherischen Schmusekurs.



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